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Sabine Rudolphs und ihre neue Firma Sinntensiv sind wohl die schillerndsten Mieter im "Startblock"
Knisternde Momente zu zweit kann man zwar nicht kaufen - dafür stimmungsvolles Drumherum und eine schöne Verpackung. Etwa bei Sabine Rudolphs Firma "Sinntensiv", mit der sie speziell Wünschen von Frauen entgegenkommt - nach dem Tupperware-Prinzip.
Christian Albers, Wiesbadener Kurier vom 07.04.2005
"Man muss sich doch mit allen Sinnen am Leben erfreuen - in allen Lebenslagen", sagt Sabine Rudolph fröhlich und begrüßt nebenbei einige Gäste, die zu ihrer Geschäftseröffnung ins Wiesbadener Gründerzentrum "Startblock" gekommen sind. Von hier aus wird sie Dessous und Erotikartikel für Frauen vermarkten - via Internet und auf privaten "Homeparties".
 Spaß und Sinnlichkeit: "Sinntensiv"-Chefin Sabine Rudolph, Irene Hilger und Lydia Hassenpflug (von links). RMB/Kubenka
In Feierlaune
Rasch sorgt sie dafür, dass die Neonröhren verlöschen, der sonst karge Empfangsflur des "Startblocks" in warmes Licht getaucht wird und ihre geschmackvolle Dekoration besser zur Geltung kommt. Sie ist in Feierlaune. "Es wäre doch zu schade, die Zeit nicht in vollen Zügen zu genießen", plaudert sie: "Die Natur, gutes Essen, gute Gesellschaft - und eben auch die Zeit zu zweit." Dieses unverzichtbare Thema als - wenn auch schönste - Nebensache des Lebens abzutun, erscheint der 41-Jährigen nicht angemessen. Dem entsprechend müsse man der Zweisamkeit auch den entsprechenden Stellenwert einräumen, sich die nötige Zeit nehmen - und ganz bewusst sinnliche Momente herbeiführen. "Wer sich darauf verlässt, dass die Erotik sich von selbst ergibt, dem kann sie im Alltag leicht verloren gehen." Richtig schwermütig blickt sie drein, als sie fortfährt: "Es ist doch zu traurig, bei wie vielen Paaren die Sinnlichkeit einfach einschläft - oft, weil sie einfach nichts dafür tun." Natürlich schaffen ein paar Dessous oder ein kluges Buch über virtuosen Sex allein noch keine Abhilfe. "Aber", und sie schaut wieder optimistischer, "eine schöne Verpackung, die sich gut anfühlt, Düfte und auch Spielzeug können durchaus Stimmungen erzeugen und Anregungen geben - oder einfach Abwechslung reinbringen." Aber nicht nur das ist ihr wichtig: "Ich will, dass die Frauen nicht nur eine fremdbestimmte Sexualität erleben, sondern sich selbst auch für sich allein als sinnlich empfinden." Deshalb ist sie überzeugt, mit ihrem speziell auf weibliche Bedürfnisse zugeschnittenen Sortiment an Dessous, Pflegemitteln, erotischer Literatur und "Spielsachen" etwas zu bieten, das viele Frauen vermissen: "Es gibt ja genug Sex-Shops, aber die finde ich unästhetisch." Zu sehr sei alles auf den Männergeschmack zugeschnitten. "Wir Frauen sind eben etwas anders gestrickt als der Mann: Es geht weniger um Pornografie, als vielmehr um das Sinnliche." Da sei es mit einem anderen Ambiente nicht getan: Das ganze Sortiment müsse "übersetzt" werden. Allerdings vermarktet Rudolph ihre Artikel nicht über ein gewöhnliches Ladengeschäft, sondern setzt auf den direkten Kontakt: "Ich komme zu den Kundinnen nach Hause, wenn sie noch mindestens fünf Freundinnen dazu einladen - zu einer lockeren Shopping-Party." Das mag sich zunächst seltsam anhören - doch mit diesem Prinzip hat "Tupperware" die Welt erobert. Die Homepage mit Onlineshop unter www.sinntensiv.de ist eher als Ergänzung gedacht: Denn auf den Partys, verkündet sie, da könne in aller Ruhe angesehen, probiert, gefühlt und gerochen werden - und vor allem geplaudert und gelacht. "Bei ausgefalleneren Dingen erkläre ich, wozu sie gut sind - so braucht sich niemand als ahnungslos zu outen, der neugierig ist und sich geniert." Die Gastgeberin, die ihre Wohnung zur Verfügung stellt und ihre Freundinnen aktiviert, darf sich dafür Waren im Wert von zehn Prozent des Umsatzes aussuchen. "Das ist aber nur als Dankeschön gedacht und soll nicht ihr Motiv sein", stellt Rudolph klar: "Ich will, dass es um den Spaß bei der Sache geht, um einen schönen Abend mit einem schönen Thema." Die Gründerin ist froh, all das von ihrem neuen Büro im Gründerzentrum "Startblock" aus organisieren zu können. "Hier ist man gut vernetzt mit den anderen Gründern", lächelt sie: "Es ist, als käme man ganz normal zu seinem Arbeitsplatz und treffe dort seine Kollegen. Und es ist immer jemand da zum Reden, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt."
Ihre "Kollegen" im Startblock freuen sich über den schillernden Neuankömmling: "Das ist wohl eines der ungewöhnlicheren Geschäfte hier - selbst bei unserer wilden Mischung", meint Karl-Ludwig Mehl, der mit seiner Agentur für Unternehmenskommunikation fast von Anfang an dabei ist. "Und ich denke, Sabine trifft da einen Nerv bei den Frauen, die ja eher gemeinsam einkaufen als Männer." Die Frauen, denen er davon erzählt habe, seien jedenfalls begeistert, erzählt er und muss unwillkürlich lachen. "Die fanden das super-spannend und haben gleich überlegt, wen sie zu einer solchen Party einladen könnten."
Copyright: Wiesbadener Kurier, Verlagsgruppe Rhein Main
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