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Gut gelaunt ins zweite Jahr Existenzgründung: Sabine Rudolph hatte viele Hürden zu überwinden
 Sabine Rudolph - eine Frau, deren Geschäftsidee ein bisschen aus dem Rahmen fällt. Vom 28.12.2005, Wiesbadener Tagblatt Von Bertram Heide SabineRudolph kann mit ihrer Firma Sinntensiv auf ein gelungenes erstes Geschäftsjahr blicken. Seit einem Jahr gibt es ein erotisches Kleinod zwischen stillgelegten Bahngleisen, Asylantenwohnheim und Fabrikbrachen. Hier ist das Gründerzentrum "Startblock" der Stadt Wiesbaden. Und hier hat sich Sabine Rudolph mit ihrer Firma Sinntensiv niedergelassen.
Sinntensiv e. K. ist unter anderem der Vertrieb von Dessous und Erotischem speziell für Frauen. Die Waren werden über www.sinntensiv.de oder auf "Homepartys" bei den Frauen zuhause, sowie man es von Tupperware her kennt, vertrieben. Rudolph entschied sich für diesen ungewöhnlichen Vertriebsweg, weil frauen nicht in einen Sexshop gehen wollen, weil so die Kundinnen in ihrer gewohnten Umgebung beraten werden und in aller Ruhe probieren und aussuchen können und weil Rudolph keine Schulden für ihre Geschäftsidee machen wollte. Bei dieser Geschäftsidee hat man keine Laufkundschaft und keine Kundenbesuche, dachte Rudolph und mietete ihr Büro für administrative Arbeit und Lagerhaltung im Startblock in der Homburger Straße am ehemaligen Güterbahnhof neben dem Asylantenheim. Keine repräsentative Adresse. Nun kam es aber anders als gedacht: viele Kundinnen trauen sich nicht, eine Dessousparty zu veranstalten, da sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Manche haben nicht genügend Platz in ihrer Wohnung, nicht genug Freundinnen, die sie einladen können. Deshalb entschied sich Sabine Rudolph dazu, die Partys auch in ihren stimmungsvollen Geschäftsräumen zwei- bis dreimal im Monat anzubieten. Hierzu wird per Post oder E-Mail eingeladen. Dies wird von den Kundinnen gern angenommen. Im kleinen Kreis von vier bis zehn Frauen bei Knabbereien und Sekt werden Dessous vorgestellt, Massageöle ausprobiert, Sexspielzeug in der Anwendung erklärt und über Erotik diskutiert. Allerdings ist es für die Kundinnen nicht leicht, die Geschäftsräume zu finden. Die Beschilderung ist nicht ausreichend. Rudolph wollte deshalb ihr Firmenfahrzeug an der Straße vor dem Eingang zum Startblock parken, doch dagegen hat der Hausmeister etwas einzuwenden und hat kurzerhand einen Betonklotz da platziert, wo Rudolphs Auto idealerweise stehen könnte. Plakate, die sie legal an Mauer und Hauswänden des alten Begegnungen Fassauergebäudes aufhängt, werden immer nach kürzester Zeit wieder abgerissen. Mehrere Plakat-Aufsteller wurden ihr schon gestohlen. Trotzdem macht Rudolph weiter, weil sie weiß, dass die Kundinnen, die sie finden, von den Veranstaltungen begeistert sind. Hier können sie erst einmal Tuch fühlen. Anschließend buchen sie dann meist ihre eigene Party bei sich daheim oder empfehlen Rudolphs Geschäftsidee weiter. Viele genießen es auch, unter Fremden einzukaufen - und die Freundin oder Nachbarin so nicht mitbekommt, was man für die Erotik "benötigt". Was sehr wichtig für Rudolph ist, dass die Kundinnen, die ganz normale Frauen zwischen 20 und 60 Jahren sind, Vertrauen zu ihr haben, weil jeder Einkauf diskret behandelt wird. Es besteht auch kein Kaufzwang, Frau kann sich erst alles anschauen und auf sich wirken lassen, und viele werden dann doch Stammkundinnen. Es spielt auch keine Rolle, ob eine Kundin jung oder alt ist, ob sie Single oder Ehefrau ist, ob sie reich oder arm, dick oder dünn ist, ob sie schöne Wäsche mag oder lieber auf sinnliche Pflegemittel steht, es gibt für jeden Typ, für jede Größe und für jeden Geldbeutel etwas. Was Sabine Rudolphs Erfolg sicher auch ausmacht, ist ihre eigene Persönlichkeit. Sie ist eine "normal", natürliche Frau, die weder aufreizend gekleidet ist noch übermäßig viel Schminke trägt. Sie ist offen und ehrlich und schafft somit Vertrauen. Rudolph ist eine Repräsentantin des Frauentyps, der alles allein macht. 16 Jahre hat sie ihren heute 18 Jahre alten Sohn allein erzogen. Während dieser Zeit ihr Studium der Innenarchitektur erfolgreich beendet und während ihres Angestellten-Daseins in der Büromöbelbranche die Kleinfamilie wirtschaftlich abgesichert und gespart, um jetzt mit dem Ersparten ihr Geschäft aufzubauen. Unter Anleitung von "BerufsWege für Frauen" hat sie ihr Konzept geschrieben und ihre für sie branchenfremde Geschäfts-Idee allein in die Tat umgesetzt. Den Namen und die Werbe-Flyer hat sie zusammen mit einer Freundin entwickelt. Das Sortiment hat sie sich auf verschiedenen zum Teil "unästhetischen" Messen allein zusammengestellt. Den halbjährigen Ärger mit dem Telefonanbieter Arcor, bei dem sie sieben Monate ohne Telefon und Internet war, hat sie allein ohne Anwalt beheben können. Nach nervenaufreibender Diskussionen mit der Hotline wendete sich Sabine Rudolph an verschiedene Fernsehsender, und der WDR berichtete in der Sendung Markt von den geschäftsschädigenden Unannehmlichkeiten mit Arcor und der Geschäftsidee von Sinntensiv e.K. Ende März lud sie zu ihrem Einweihungs-Event unter "Eröffnung der Sinne" ein. Dieses Event stemmte sie auch allein - und es war ein großer Erfolg. Sabine Rudolphs Dessouspartys können gebucht werden bei: Sinntensiv e. K. - Dessous und Mehr, Homburger Straße 29 . Information unter Telefon 0611/5829970 oder im Internet www.sinntensiv.de
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